Effizient – Praktisch – Gut

Kategorie: Ausgabe 2008-01

Das Thema Energieeffizienz wird auf der diesjährigen Hannover Messe erstmals eine herausragende Stellung einnehmen. Mit der branchenübergreifenden Sonderschau „Energie-Effizienz in industriellen Prozessen“ bieten ZVEI und VDMA in Halle 6 unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministeriums ein breites Informationsangebot für den effektiven Einsatz von Maschinen, Anlagen und Verfahren. Am Bespiel der Schokoladenproduktion zeigen die Partner im „Energie-Effizienz-Tunnel“ wie durch den gezielten Einsatz neuester Technik Investitionen ohne größeren Aufwand auch während des laufenden Betriebs realisiert werden können. Praxisnah und interaktiv wird der „Energie-Effizenz-Tunnel“ besonders auf das riesige Optimierungspotenzial bei Pumpen, Lüftern, Druckluft und Kälteanlagen eingehen. Auf der angrenzenden Ausstellungsfläche können sich die Besucher darüber hinaus bei den Mitgliedsunternehmen des ZVEI und des VDMA über die richtigen Konzepte für ihr Unternehmen informieren. Über 40 Ausstellerfirmen präsentieren hier ihre EnergieEffizienzlösungen aus den Bereichen Automation, Antriebstechnik und Maschinenbau.

Tunnel

Pumpen

Ohne Pumpen läuft in der Industrie, im Haushalt oder im Verkehr fast nichts. Beim Fördern von Wasser, Heizöl, Treibstoff oder Abwasser verschwenden ineffiziente Pumpen allerdings viel Energie. Ein besonders hohes Einsparpotenzial besteht beispielsweise bei Antriebsmotoren. Wer allerdings dauerhaft effizient und energiesparend pumpen und fördern will, muss das Gesamtsystem optimieren, also nicht nur Motor und Antrieb, sondern auch Leitungen sowie Regel- und Drosselventile.

Lüften

Überall dort, wo die freie Lüftung nicht ausreicht, werden Lüftungs- und Klimaanlagen eingesetzt. Neben der reinen Zuführung von Luft decken sie auch die Luftbehandlungsfunktionen Heizen, Kühlen sowie Be- und Entfeuchten ab. Herzstück jeder raumlufttechnischen Anlage sind die Ventilatoren. Ihre Auswahl ist von entscheidender Bedeutung für die Betriebskosten. Dabei bietet nicht nur der Ventilator nachhaltige Ansätze zur Energieeffizienz, es lohnt sich auch der Blick auf die gesamte Lüftungsanlage. Durch intelligente Konzepte lassen sich Energieeinsparungen von 30 Prozent und mehr erzielen.

Verdichten

Druckluft wird oft als vierter Hilfsstoff neben Elektrizität, Benzin und Gas bezeichnet. Sie dient als Energieträger, zur Reinigung, als Atemluft oder zur Kühlung. Zum Erzeugen wird viel Strom benötigt. Um hier keine Energie zu verschwenden, kommt es auf eine gute Druckluftanlagenplanung an. Größte Schwachstelle sind Leckagen. Hier können Verluste von 80 Prozent und mehr entstehen. Nachhaltige Verbesserungen bringen außerdem eine effiziente Steuerungs- und Überwachungstechnik. Werden diese konsequent eingesetzt, lassen sich die Druckluftkosten im Schnitt um bis zu ein Drittel reduzieren.

Fördern / Bewegen

Fördertechnik kommt in der Produktion, der Montage- und Handhabungstechnik, bei Sortier- und Verteilsystemen, in der Verpackungstechnik, bei Transport-, Lager- und Umschlagprozessen zum Einsatz. In vielen Betrieben kann mittel- bis kurzfristig durch das Umstellen auf energieeffiziente Motoren der Stromverbrauch um 5 bis 50 Prozent gesenkt werden. Investitionen in Antriebstechnik machen vor allem deswegen besonders Sinn, weil ihr Anteil an den Gesamtkosten nur 10 bis 15 Prozent ausmacht, während die Energiekosten, vor allem durch die lange Betriebsdauer, bei bis zu 40 Prozent liegen.

Klimatisieren

Prozesswärme und Prozesskälte für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche verursachen einen hohen Energieverbrauch. Es lohnt sich also, auch hier über Energieeinsparpotenziale nachzudenken. Den richtigen Energieträger und das passende Temperaturniveau für den jeweiligen Einsatzzweck zu wählen, ist dabei das A und O. Hocheffizienzmotoren, drehzahlgeregelte Kompressoren, Solaranlagen, Wärmerückgewinnung und Pumpen nach dem neuesten Stand der Technik ermöglichen Einsparpotenziale von bis zu 50 Prozent bei kurzfristigen Amortisationszeiten.

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EnQ Magazin 01/2008

Contracting – Ein Modell für mehr Energie-Intelligenz?

Kategorie: Ausgabe 2008-01

Zahlreiche Kommunen, Unternehmen und Immobilienbesitzer stehen vor dem gleichen Dilemma. Für dringend notwendige Sanierungsarbeiten ihrer technischen Anlagen fehlen entweder das Geld und / oder ein innovatives Konzept. Die veralteten Systeme belasten durch hohen Energiebedarf gleichzeitig den laufenden Haushalt. Einen möglichen Ausweg bildet das Auslagern energierelevanter Investitionsbereiche. Das in diesem Zusammenhang oft genannte Contracting ist dabei keinesfalls neu. Bereits vor rund 200 Jahren bot James Watt die Installation und fünfjährige Wartung seiner Dampfmaschine gegen ein Drittel der dadurch entstandenen Einsparungen an. In vielen Dienstleistungsbereichen gehört die Übertragung auf ein entsprechendes Serviceunternehmen längst zur gängigen Praxis – vor allem bei Reinigung, Sicherheit und Verpflegung. Im Gegensatz dazu läuft das Outsourcen bei der Energieversorgung etwas verhaltener.

Vier Varianten des Contractings

Beim Contracting vereinbaren Contractor (ausführendes Unternehmen) und Contracting- Nehmer (Auftraggeber) zunächst die Lasten der Planung, Finanzierung und den Betrieb der Energieanlagen sowie die Laufzeit der Zusammenarbeit. Als kostenlosen Service-Kompetenz bietet der Contractor eine Beratung an, die eine Analyse bestehender Anlagen sowie potenzielle Lösungskonzepte umfasst. Dabei werden vier Varianten des Contractings unterschieden. Beim Anlagen- oder Energieliefer-Contracting errichtet und betreibt der Contractor die Energieanlage auf eigene Kosten. Für die Dauer des Vertrages bleibt die Anlage im Besitz des Contractors, der für Bau, Finanzierung, Wartung und Primärenergieeinkauf in monatlichen Raten bezahlt wird. Ziel beider Parteien in diesem Modell sind wirtschaftliche und ökologische Vorteile. Diese werden durch effizientere Wärmeerzeugung und -speicherung erzielt sowie Investitions- und Betriebsführungseinsparungen. Einkaufsvorteile bei Energie und Technik des Contractors senken die Kosten für ein Projekt. Es wird vor allem bei der Sanierung oder dem Neubau von Wohngebäuden angewendet und ist mit derzeit 82 Prozent das am häufigsten gewählte Contracting-Modell. Lediglich 8 Prozent aller Contracting- Projekte werden über die zweite Variante, das Einspar-Contracting abgewickelt. Hier ist die Betriebsführung der Anlagen ebenso Verhandlungssache wie die Finanzierung des Projekts. Beteiligt sich der Contracting- Nehmer an den Baukosten, verkürzt sich die Vertragslaufzeit entsprechend. Der Contractor erhält als Entlohnung einen Teil der eingesparten Energiekosten. Während die Anlagen bereits nach Einbau in den Besitz des Gebäudeeigentümers übergehen, stehen ihm nach Auslaufen des Vertrages auch die Einsparungen in voller Höhe zur Verfügung. Insbesondere bei der Sanierung von Schulen oder Sporthallen nutzen kommunale Träger dieses Modell, um die Investitionen nicht selbst tragen zu müssen. Beim Finanzierungs-Contracting übernimmt auch der Contractor Finanzierung, Planung und den Bau einer Anlage. Die Betriebs- und Instandhaltungsverantwortung liegt dagegen beim Auftraggeber. Dieses Modell erinnert ans Leasing, da der Contractor seine technischen und finanziellen Ressourcen einbringt und dem Vertragspartner die mittelfristige Rückzahlung in Raten ermöglicht. Betriebsführungs-Contracting bedeutet, dass der Contracting-Nehmer die Energieanlagen besitzt und finanziert, der Contractor im Gegenzug die Instandhaltung und Wartung übernimmt. Professionelle Lösungen für die technische Optimierung der Anlagen erhöhen zum einen die Wirtschaftlichkeit. Zum anderen sollen sie aber auch einen störungsfreien Betrieb garantieren, der in Krankenhäusern oder mit Druckluft betriebenen Produktionsanlagen notwendig ist. Gemein ist allen Formen des Contractings eine 10 bis 20 prozentige Energieeinsparung und analoge Reduzierung der CO2-Emissionen. 2006 belief sich die geschätzte Marktgröße in Deutschland auf 1,1 Milliarden Euro. Experten gehen aber davon aus, dass bisher nur 6 Prozent des Marktpotenzials erschlossen wurden und bis zu 20 Milliarden Euro durch Contracting umgesetzt werden könnten. Die Energieeinsparungen allein in der Wohnungswirtschaft würden bei Investitionen von 3 Milliarden Euro pro Jahr 56 Terawattstunden betragen, was 13 Millionen Tonnen CO2 entspricht. Die Rentabilität variiert je nach Art und Umfang der Sanierung. Erneuert man die Wärmeversorgung in einem Haus mit 100 Wohneinheiten, amortisiert sich die Investition bereits nach drei Jahren. Neben den oben angesprochenen finanziellen und ökologischen Vorteilen durch energieeffizientere Anlagen gibt es für Contracting-Nehmer weitere Gründe, ihre Energieversorgung von einem externen Anbieter ausführen zu lassen. Contracting- Modelle bieten dem Verbraucher die Möglichkeit, die sich aus einer Investition ergebenden Risiken zu vermeiden oder zu reduzieren und ein für seine Situation bestmögliches Konzept für die Nutzenergiebereitstellung mit dem Contracting- Partner, wie zum Beispiel einem Gasversorgungsunternehmen, zu realisieren. Überlässt man außerdem die Energieversorgung inklusive des Betriebs und der Instandhaltung einem Spezialisten, kann das Unternehmen mehr Ressourcen auf seine Kernkompetenzen verwenden. Zudem erwartet die Contracting-Nehmer durch das Abtreten der existierenden Energieerzeugungsanlagen ein Liquiditätszufluss, der in das laufende Geschäft reinvestiert werden kann. Wegen des effizienteren Einsatzes von Energie und geringerer Emissionen sind diese Maßnahmen besonders umweltfreundlich. Dieser ökologische Nutzen wirkt sich gleichzeitig positiv auf das Image aus.
Energiesparleuchte

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EnQ Magazin 01/2008

Zukunft schon heute gestalten

Kategorie: Ausgabe 2008-01

Warum Energie-Intelligenz einen wichtigen Beitrag leistet

Den steigenden Energieverbrauch und damit Treibhausgasemissionen reduzieren – dafür wirbt „EnQ – Die Initiative Energie-Intelligenz“. Sie setzt auf intelligente Technologien, die heute bereits existieren. Den Friedensnobelpreis für die Bewusstmachung der Klimakrise zu erhalten, war ein Novum. Dabei ist das von Al Gore besetzte und wichtige Thema Klimaschutz nicht wirklich neu. Neu hingegen ist die Wahrnehmung des Klimawandels als echte Bedrohung. So ergab die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland“, dass sich jeder zweite Deutsche vom Klimawandel persönlich bedroht fühle. Dennoch wussten drei Viertel der Befragten nicht, wie viel Strom ihr Haushalt pro Jahr verbraucht und was eine Kilowattstunde kostet – eine Grundvoraussetzung, um Energie und Geld sparen zu können. Relativ ähnlich verhält es sich innerhalb der Industrie: Für die Anschaffung von Geräten ist meist der niedrige Anschaffungspreis ausschlaggebend und nicht die tatsächlichen Gesamtkosten oder die Klimaverträglichkeit. Egal ob im Privatbereich oder bei Unternehmen – die Kosten und Effekte auf die Umwelt über die gesamte Lebensdauer von Geräten werden kaum beachtet. Bei elektrischen Antrieben, wie sie beispielsweise in Pumpanlagen vorkommen, beträgt der Anteil der Energiekosten an den gesamten Lebenszykluskosten aber oftmals mehr als 90 Prozent. Hieraus resultiert ein enormes Einsparpotenzial. Und das ist dringend erforderlich, denn erstens wächst der Energiebedarf weltweit und zweitens verursacht die Erzeugung von Strom klimaschädigende CO2-Emissionen.

Weltweiter Energiebedarf wächst

Die wachsende Energienachfrage basiert auf dem sehr hohen Niveau der Industrieländer und dem steigenden Bedarf in Boom-Ländern wie China und Indien. Öl, Gas und andere Ressourcen werden dort enorm nachgefragt. Denn wirtschaftlicher Aufschwung erfordert immer mehr Energie, gerade in Form von Strom für Industrieanlagen, Telekommunikation oder Beleuchtung. Ursächlich ist der wachsende Lebensstandard der Menschen in den aufstrebenden Entwicklungsländern, der sich zunehmend dem der westlichen Industrienationen annähert. Der weltweite Energieverbrauch ist mit gegenwärtig 107.000.000 Gigawattstunden (GWh) fast doppelt so hoch wie zu Beginn der 1970er Jahre. Der Weltstrombedarf beträgt rund 18.000.000 GWh pro Jahr, das sind rund 17 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Deutschland benötigt momentan jährlich 4.070.500 GWh Primärenergie und 550.000 GWh elektrischen Strom. Nach Schätzungen der Internationalen Energie Agentur wird der globale Energiebedarf bis 2030 zwischen 50 und 60 Prozent – also jährlich um 1,5 bis 2 Prozent ansteigen, sofern keine wirksamen Gegenmaßnahmen greifen. Bis 2060 ist sogar eine Verdopplung zum heutigen Verbrauch zu erwarten. Welche Effekte hat diese Entwicklung dann auf die Umwelt?

Fossile Energieträger en vogue

Die wichtigsten Energieträger sind heute Öl (34 Prozent), Kohle (26 Prozent) und Gas (23 Prozent). Die erneuerbaren Energien decken knapp 7 Prozent, die Kernenergie rund 11 Prozent des deutschen Energieverbrauchs. Zwei Drittel der Energie stammen demnach aus fossilen Rohstoffen, die bei der Umwandlung zu Energie CO2 emittieren; dieses fördert den Treibhauseffekt. Dem zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC) zufolge haben die Treibhausgasemissionen jetzt schon eine Erwärmung des Weltklimas um 0,76°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau bewirkt. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird eine Temperaturerhöhung von bis zu 5°C erwartet, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Alle Regionen der Welt müssen in der Folge mit erheblichen Auswirkungen auf ihre Umwelt und Wirtschaft rechnen. Nach Schätzungen von Experten verengt sich das Zeitfenster für eine Stabilisierung und nachfolgende Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen immer mehr. Darüber hinaus sind fossile Energieträger endlich und können den wachsenden Energiebedarf nicht unbegrenzt decken. Weltweit sollen daher Fördermaßnahmen neue Energien erschließen. Aber trotz aller Anstrengung können voraussichtlich auf absehbare Zeit erneuerbare Energien fossile Energieträger nicht ersetzen. Eine weitere Steigerung der verfügbaren Energiemenge ist somit fraglich. Kurzum: Die Ressourcenknappheit und die Auswirkungen der Treibhausgasemissionen auf das globale Ökosystem fordern ein schnelles Handeln.

Energiemix in Deutschland 2007

Intelligenter Umgang mit Energie

Die europäische und deutsche Politik steckt sich daher hohe Ziele bis zum Jahr 2020: Treibhausgasemissionen sollen bis dahin im Vergleich zu 1990 um mindestens 30 Prozent sinken. Gleichzeitig will die Bundesregierung die Energieproduktivität bezogen auf das Jahr 1990 verdoppeln. Wie ist das zu erreichen? McKinsey & Company hat in der Klimastudie „Kosten und Potenziale der Vermeidung von Treibhausgasemissionen in Deutschland“ im Auftrag der Deutschen Industrie (BDI) mögliche Handelsspielräume aufgezeichnet. Darin sind alle wesentlichen Hebel der Industrie zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen benannt – jeweils in Verbindung mit den sogenannten Vermeidungskosten. Das erfreuliche Ergebnis: Bis zum Jahr 2020 ließen sich wirtschaftlich vertretbar jährlich 130 Megatonnen Treibhausgasemissionen reduzieren. Bei einer Umstellung des Energiemix auf einen höheren Anteil erneuerbarer Energien wäre eine Senkung um 31 Prozent bis 2020 gegenüber dem Niveau von 1990 möglich. Ein wesentlicher Ansatz ist die Senkung des Stromverbrauches. Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie hat in den letzten Jahren die nötige Vorarbeit geleistet und viel in energieeffiziente Verfahren, Produkte und Systeme investiert. Sowohl durch den Einsatz bereits heute verfügbarer neuer Technologien, als auch durch den Ersatz alter Technologien, ließen sich Einsparungen von fast 60 Mrd. kWh jährlich erreichen. Allerdings sind wir von diesen Zahlen noch weit entfernt. Das aktuelle Dilemma besteht darin, dass die Nachfrage dem Angebot hinterherhinkt, da nur wenige über energieeffiziente Geräte und deren Vorteile für die Umwelt und den Geldbeutel informiert sind. Hier unterscheiden sich Unternehmen und Verbraucher nicht sonderlich voneinander. Oft bestimmt der reine Anschaffungspreis die Kaufentscheidung über den Erwerb von Haushaltsgeräten oder ganzen Fertigungsanlagen bei Einkäufern in der Industrie. Den „Total Costs of Ownership“ oder auch Lebenszykluskosten werden hingegen nicht gebührend beachtet. Das hat vielerlei Gründe. Nur selten sind die Käufer über neue Technologien und ihre Möglichkeiten informiert. Die tatsächlichen Kosten sind häufig nur sehr abstrakt zu erfassen, wenn kein Label darüber aufklärt. Der verbrauchte Strom wird erst später gezahlt, so dass es an Transparenz zur Kostenverursachung fehlt. In anderen Bereichen sind Lebenszykluskosten deutlicher erkennbar zum Beispiel beim „Drucker-Phänomen“: je günstiger der Anschaffungspreis des Druckers ist, desto teurer sind bedingt durch den oft höheren Verbrauch die Tintenpatronen oder der Toner. Die Freude über das vermeintliche Schnäppchen trübt sich schnell, wenn das Verbrauchsmaterial die Lebenszykluskosten für das Gerät in die Höhe treibt. Auch was die Umweltverträglichkeit angeht, ist vielen nicht bewusst, welchen Einfluss das eigene Handeln auf das Klima hat. Wegen des hohen Anteils nichtregenerativer Energieträger beim Strom bedeutet ein hoher Verbrauch per se CO2-Emissionen. Vor diesem Hintergrund hat der Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) zur Hannover Messe 2008 „EnQ – Die Initiative Energie-Intelligenz“ gestartet. Sie will Medien, die Öffentlichkeit, Politik und Profi-Entscheider für den intelligenten Einsatz von energieeffizienten Technologien sensibilisieren – mit dem Ziel, den Stromverbrauch in Deutschland deutlich durch den Einsatz bestehender Technologien zu reduzieren.

Windenergie

EnQ ist die „Gemeinsam-Initiative“

Die Ergebnisse einer jüngst durchgeführten Befragung zeigen deutlich, wieso die Potenziale zu energieeffizientem Handeln im Bereich der privaten Haushalte bis dato nur zu einem unbefriedigenden Teil ausgeschöpft werden konnten: Nur jeweils ca. ein Drittel der Bevölkerung fühlt sich gut bis sehr gut über die Möglichkeiten zu energieeffizientem Handeln bzw. über innovative, hocheffiziente Produkte und Lösungen informiert und sieht sich daher in der Lage, diese Optionen auch auszuschöpfen. Neben der mangelnden Information ist der aus Sicht der privaten Verbraucher oftmals fehlende wirtschaftliche Anreiz zum Kauf von neuen, energieeffizienten Geräten der zweite entscheidende Punkt: Wird ein neues Gerät gekauft, spielt der Stromverbrauch zwar eine wichtige Rolle für die Kaufentscheidung – aber zugleich ist er alleine offensichtlich kein Grund, über einen frühzeitigen Austausch nachzudenken. Im Gegenteil, viele Verbraucher planen explizit, die vorhandenen Geräte zu nutzen, bis sie ein Defekt zum Austausch zwingt. Ein relativ großer Bestand an alten, aus heutiger Sicht hochgradig ineffizienten Geräten ist die Folge. Dass ein zunehmendes Umweltbewusstsein für eine höhere Bereitschaft zum frühzeitigen Austausch sorgt, scheint zumindest in der Breite der Bevölkerung eher unwahrscheinlich: Der persönliche Nutzen in Form eines konkreten monetären Vorteils, das zeigen die Ergebnisse deutlich, wird in der Breite sehr viel häufiger als Motivation für energieeffizientes Verhalten angeführt als der Nutzen, den dieses Verhalten für das (ökologische) Gewissen hat. In vielen Bereichen lohnt es sich, etwas genauer über elektrische und elektronische Geräte, ihre Anschaffung und den intelligenten Einsatz nachzudenken. So lässt sich viel Energie und Geld sparen. Die Initiative will dieses Nachdenken und richtige Handeln fördern. Der Begriff der Energie-Intelligenz beschreibt die Lösung genau. So soll die Initiative über die bereits heute verfügbaren energieeffizienten Geräte sowie Anlagen aufklären, insbesondere wann sich Neuanschaffungen finanziell und für die Umwelt lohnen. Hinzu kommt der intelligente Umgang. Grundvoraussetzung für die Umsetzung der Kampagne war jedoch die Anschlussfähigkeit. Jeder ist deswegen aufgefordert, bei der Initiative mitzuwirken. Politik, Industrie, Organisationen und Entscheider – dieses wichtige Thema ist ein übergreifendes, das nur gesamtgesellschaftlich angegangen werden kann. Viele Maßnahmen stützen die Aufklärungs- und Informationskampagne und wenden sich nicht nur an Industrie, Politik und den erwachsenen Verbraucher. Auch die Jüngsten spricht EnQ an. Die Comicfigur ENI – der Energie-Entdecker, führt sie durch die aufregende Welt der Energie und zeigt spielerisch Phänomene des Alltags auf.


Mit dem Weißbuch, EnQ-Magazin und der Internetseite www.en-q.de soll das Thema plastisch aufbereitet und konkrete Tipps geben werden, die sich sowohl an Verbraucher als auch an die Industrie richten. Aber auch die Politik sehen wir in der Pfl icht, sich für die ehrgeizigen Ziele zu engagieren. Mit dem Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) hat die Bundesregierung Anfang Dezember letzten Jahres Maßnahmen zum Klimaschutz verabschiedet, die von der Elektrotechnik- und Elektroindustrie begrüßt werden, die mit EnQ ihrerseits einen Beitrag zum Schutz von Umwelt und Klima leistet. So weit die Maßnahmen der Initiative zur Information und Aufklärung auch reichen, staatliches Handeln könnte die Energie-Intelligenz kräftig fördern. Verbraucher und Unternehmen werden erst dann energieeffi ziente Geräte und Systeme kaufen, wenn schon bei der Anschaffung ein erkennbarer Anreiz dafür besteht.

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EnQ Magazin 01/2008