Über 100.000 qm Energie-Intelligenz

Kategorie: Ausgabe 2009-02

Innovative Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik auf der IFA

IFA 2009

Sie haben schon so mancherlei großartige Einrichtungen erfunden, während wir uns im Haushalt noch sehr plagen müssen. Wenn Sie schon am Erfinden sind, dann erfinden Sie doch bitte gleich, dass auch im Haushalt alles elektrisch gemacht werden kann“, so eine Berliner Köchin 1882 an Werner von Siemens. Ihre über 125 Jahre alte Bitte erinnert daran, dass elektrische Haushaltsgeräte ursprünglich nicht dafür konzipiert waren, Strom zu sparen – im Gegenteil. Staubsauger, Elektroherde, Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Kühlschränke sollten nichts anderes tun, als körperliche durch elektrische „Kraft“ zu ersetzen. Heute gilt dies in dieser Einfachheit nicht mehr. Haushaltsgeräte haben zwar nach wie vor ihren „Dienst zu versehen“, aber nicht mehr um jeden Preis – oder besser gesagt: zu jedem Preis. Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und wachsender Umweltbelastungen spielt ihr Energieverbrauch bzw. ihre Energieeffizienz eine zunehmend wichtige Rolle. Dies liegt vor allem daran, dass sie gemeinsam mit Fernseher, DVD-Player und Co. einen wesentlichen Anteil unseres privaten Energiekonsums ausmachen und gleichzeitig einen der wenigen Hebel darstellen, mit dem jeder durch gezielte Investitionen in intelligente Lösungen seine Energiekosten und Umweltbelastungen nachhaltig reduzieren kann.

Was als Erstes fehlt, ist Aufklärung

Heute stehen in deutschen Haushalten 29 Millionen Kühl- und Gefriergeräte, die älter als zehn Jahre sind. Sie verbrauchen bis zu viermal so viel Energie wie ein vergleichbares neues Gerät – und zwar rund um die Uhr. Um hier wie bei anderen Elektro-Großgeräten zu schnellen Veränderungen zu kommen, muss vor allem die Komplexität des Themas Energieeffizienz reduziert werden. Denn bisher besitzt der Konsument oftmals kein klares Verständnis für den Wert einer Kilowattstunde oder der Bedeutung einer Tonne CO2. Während er an der Tankstelle Preisveränderungen direkt mitbekommt, fehlt ihm dieses „Gefühl“ beim Stromverbrauch fast völlig. Ein zentrales Manko, denn die langjährige Erfahrung zeigt: Moralische Appelle alleine erreichen nur einen Bruchteil der Verbraucher. Die wenigsten Konsumenten – sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern – sind zu Investitionen nur aus Umweltschutzgründen bereit. In der Regel sind handfeste monetäre Vorteile notwendig, um Verhaltensänderungen zu erzeugen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass sich für den einzelnen Haushalt häufig der höhere Preis für hocheffiziente Geräte erst nach vielen Jahren rechnet. Abhilfe können umfassende Aufklärungsangebote durch die Hersteller und den Handel schaffen. Natürlich bietet die IFA eine gute Plattform für den Verbraucher, sich einen entsprechenden Überblick zu verschaffen. Darüber hinaus müssen staatliche Förderprogramme konkrete Anreize bieten. Beispiele aus Japan, Spanien, Italien oder den USA zeigen bereits, dass ein solcher Weg sich ökologisch und volkswirtschaftlich sehr gut rechnet.

Verbrauchswerte bei Haushaltsgeräten

15 Jahre bedeuten auch bei Haushaltsgeräten oftmals lebenslänglich

Die rein technischen Voraussetzungen zur Reduzierung des Energieverbrauches sind längst vorhanden und verbessern sich mit jeder neuen Gerätegeneration. Machten sich früher vor allem Geräte mit Warmwasserbereitung, also Geschirrspüler und Waschmaschinen, sowie Geräte, die – wie Kühl- und Gefrierschränke – rund um die Uhr im Einsatz sind, massiv auf der Stromrechnung bemerkbar, so sind in den letzten 15 Jahren – der durchschnittlichen Einsatzzeit von Elektro-Großgeräten – die Verbrauchswerte für Strom und Wasser deutlich reduziert worden.

Neueste Kühl-Gefrier-Kombinationen führender Hersteller wie Siemens brauchen beispielsweise in der besten Energieeffizienzklasse A++ bis zu 66 Prozent weniger Strom als vergleichbare 15 Jahre alte Geräte. Bei Waschmaschinen beträgt die Einsparung bis zu 42 Prozent, bei Geschirrspülern sind es bis zu 35 Prozent. Realisiert werden solche Potenziale im Fall der Geschirrspüler beispielsweise durch den intelligenten Einsatz von Mineralien wie dem von Neff, Bosch und Siemens verwendeten Zeolith®. Es entzieht der Luft im Spülerinnenraum Feuchtigkeit und wandelt diese in trockene Wärme um. Diese wird anschließend in den Innenraum zurückgeführt und zur Trocknung des Geschirrs verwendet. Das wartungsfreie Zeolith®- Granulat ist in einem Behälter im Geräteboden eingebettet und regeneriert sich in der Reinigungsphase bei jedem Spülgang selbstständig. Weitere Einsparungen erzielen die ebenfalls von diesen Herstellern verwendeten Sensortechnologien. Sie passen den Wasserverbrauch dem Verschmutzungsgrad an und garantieren dadurch, dass die exakt notwendige Menge Wasser verwendet wird.

Zeolith®-Trockner

In den modernen Kältegeräten sind es neben der verbesserten Isolation leistungsfähigere Kompressoren und gezielte Optimierungen der Kältekreislaufkomponenten, die einen entscheidenden Vorteil bringen. Innovationen wie die NoFrost- Technologie wirken außerdem in den modernen Kältegeräten der Bildung von Eiskristallen entgegen und verhindern auf diese Weise schleichende Energieverluste. Bei Wäschetrocknern ist es eine innovative Wärmepumpen-Technologie, die die Geräte um bis zu 40 Prozent sparsamer werden lässt. Als weitere effizienzsteigernde Entwicklung ist der von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH konzipierte SelfCleaning Condenser anzusehen. Bei jedem Trocknungsvorgang lagern sich etwa 20 Prozent der Wäscheflusen im Kondensator des Wäschetrockners ab, was zu einem erhöhten Energieverbrauch und längeren Trocknungszeiten führt. Mit dieser Innovation wird der Kondensator bis zu viermal während des Trocknungsvorgangs vollautomatisch gereinigt und kann damit ohne höheren Energieaufwand arbeiten.

Energieeffizienz längst auch im Wohnzimmer zu Hause

Für die Hersteller der Unterhaltungselektronik ist Energieeffizienz ebenfalls ein wichtiges Thema. Neben den technologischen Produktinnovationen können sich die Besucher der diesjährigen IFA (4. bis 9. September) auf zahlreichen Messeständen auch über die neuesten energie-intelligenten Entwicklungen bei Blu-ray-Playern, Set-Top-Boxen und Fernsehern informieren.

Grundsätzlich ist, ähnlich wie bei Haushaltsgeräten, auch bei der Unterhaltungselektronik das Phänomen festzustellen, dass der Energieverbrauch pro Gerät sinkt, obwohl der Stromverbrauch in der Summe steigt. Die Ursache ist hier ebenfalls ganz einfach: Mehr Haushalte, mehr Geräte, mehr Vielfalt. Vorbei sind die Zeiten, als in den Wohnzimmern neben dem Radio oder dem Schallplattenspieler lediglich ein Fernseher stand. Heute sind auch die Kinder- oder Arbeitszimmer mit eigenen Fernsehern, DVD-Playern, Spielekonsolen oder PC ausgestattet – und viele laufen den ganzen Tag. Noch vor wenigen Jahren war das einzige Gerät im Haushalt, das ständig Strom benötigte, der Kühlschrank. Fernseher und die Stereoanlage verfügten über einen Knopf, der das Gerät tatsächlich komplett ausschaltete. Mit dem Siegeszug des Videorekorders und des PCs hat sich dies verändert. Die Hersteller sind aus diesem Grund dazu übergegangen, den Energieverbrauch im Standby-Modus zu reduzieren. Mit Erfolg. Bei Fernsehern liegt er nur noch bei durchschnittlich 0,5 Watt, Spitzengeräte erreichen sogar 0,3 bis 0,1 Watt. Werte, die sich kaum noch signifikant verringern lassen.

Wesentlich mehr Potenzial, um bei dem Beispiel Fernseher zu bleiben, bieten die auf der IFA präsentierten Entwicklungen im On-mode-Bereich. Die LED-Hinterleuchtung von LCD-Bildschirmen, zur IFA 2008 noch als Zukunftsthema gehandelt, etabliert sich nun mit einer Vielzahl neuer Modelle bei den unterschiedlichsten Herstellern. Die einzelnen LED-Lichtzellen lassen sich so ansteuern, dass sie den Helligkeitsvorgaben des Bildinhalts entsprechen. Für dunkle Bildpartien werden die LEDs dabei heruntergedimmt bzw. ganz ausgeschaltet. Auf diese Weise werden nicht nur wesentlich höhere Kontraste erzielt, die Fernseher sparen zugleich auch deutlich Energie.

Der Trend, das zeigt auch die diesjährige IFA, geht hin zur Integration von Funktionen. Das heißt, weg von der Vielzahl von Einzelkomponenten (DVD/Blu-ray, Festplatte, Receiver), deren Funktionen nun in das TV-Gerät integriert werden. Dies reduziert den Energieverbrauch insgesamt, ebenso wie den Materialaufwand für Gehäuse, Netzteile etc. Weiterer positiver Effekt: Kabelfrei und mit nur einer Fernbedienung wird gleichzeitig der Komfort für den Verbraucher gesteigert.

Energie-intelligente Kaufentscheidungen gefragt

Mit den hier beschriebenen Ansätzen haben die Aussteller der IFA neue Wege bei Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik beschritten. Grüne Wege sozusagen, die sich die Besucher auf der IFA genau anschauen sollten, denn sie als Konsumenten sind wesentlich für den Erfolg dieser Entwicklungen verantwortlich. Unsere engagierte Berliner Köchin vom Anfang wäre bestimmt interessiert.


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EnQ Magazin 02/2009

Forderungen des ZVEI zur Klima- und Energiepolitik

Kategorie: Ausgabe 2009-02

Von Dr. Klaus Mittelbach – Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI

Dr. Mittelbach

2009 treten die Deutschen so oft an die Wahlurnen wie selten zuvor. Nach den Wahlen zum Europaparlament und zu Landtagen sowie der Wahl des Bundespräsidenten ist es nun die Bundestagswahl, die wichtige Impulse für eine langfristige und nachhaltige Energie- und Klimapolitik setzen muss.

Neben der Erhöhung der Transparenz des Energieverbrauchs durch eine monatliche Stromabrechnung auf der Basis einer Verbrauchsmessung mit elektronischen Stromzählern und einer zeitlich befristeten staatlichen Förderung für ausgewählte höchsteffiziente Produkte (zum Beispiel Kühlschränke der Energieklasse A++) fordert der ZVEI von der zukünftigen Bundesregierung wirksame Anreize zur Einführung hocheffizienter kommunaler Straßenbeleuchtung und für Investitionen in energieeffiziente Anlagegüter. Wichtige Voraussetzung ist aber die Bündelung der deutschen Energie- und Klimapolitik in einem Ministerium, um eine Politik aus einem Guss möglich zu machen. Eine unabdingbare Voraussetzung für jede zukunftsweisende klima- und energiepolitische Strategie liegt in der Erhöhung der Energieeffizienz sowie der Minderung der CO2-Emissionen nicht nur bei der Erzeugung, Übertragung und Verteilung, sondern auch bei der Nutzung von Energie. Ambitionierte Ziele sind jedoch nur dann erreichbar, wenn die richtigen Weichen für energie-intelligente Technologien der Zukunft gestellt werden. Mit seinem „Weißbuch Energie-Intelligenz – Energie intelligent erzeugen, verteilen und nutzen“ hat der ZVEI der Politik konkrete, umsetzbare Vorschläge gemacht. Das ZVEI-Weißbuch ist das umfassende Kompendium der Einspar- und Optimierungspotenziale der energieerzeugenden, -verteilenden und -nutzenden Technologien und Produkte über die gesamte Breite der Elektrotechnik und Elektronik hinweg.

Die vom BDI im Jahr 2007 in Auftrag gegebene McKinsey-Studie zur Verminderung von Treibhausgasemissionen in Deutschland zeigt: Die Technologien der deutschen Elektroindustrie tragen mit je 21 Millionen Tonnen CO2 im Sektor Industrie mit gut zwei Dritteln und im Sektor Gebäude mit einem Drittel zu den Verminderungspotenzialen in Deutschland bei.

Die Studie hat mehr als 300 technische Vermeidungshebel, das heißt Ansatzpunkte insbesondere aus Deutschland zur Verminderung von Treibhausgasemissionen, untersucht. Sie zeigt, dass bis 2020 gegenüber dem Niveau von 1990 die Treibhausgasemissionen allein um 26 Prozent gesenkt werden können, wenn alle bekannten Vermeidungshebel mit Vermeidungskosten von bis zu 20 Euro je Tonne CO2 umgesetzt werden.

Die Technologien der deutschen Elektrotechnik- und Elektronikindustrie spielen hierbei eine herausragende Rolle. Um mit der BDI-McKinsey-Studie zu sprechen: Die Vermeidungshebel der Elektrotechnik rechnen sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Trotzdem werden sie zu wenig genutzt.

Wird dieses Potenzial nicht gezielt gehoben, ist die Belastung der energieintensiven Stahl- und Chemieindustrie oder der Aluminium oder Kupfer erzeugenden Industrie durch den Emissionshandel umso größer. Bildlich gesprochen: Jede Tonne CO2, die durch den Einsatz moderner Technologie eingespart wird, ist eine Tonne weniger Belastung auf den Schultern derer, die mit den Energiesparvorgaben konfrontiert werden. So leisten wir unseren Beitrag, damit Industrieproduktion am Standort Deutschland auch zukünftig erfolgreich möglich ist.

Grundsätzlich macht der Emissionshandel Sinn. Er fördert indirekt auch den Einsatz neuer Technologien. Die Belastung darf aber nicht einseitig auf den deutschen energieintensiven Industrien liegen. Dies ist besonders wichtig, weil ein einfacher Verzicht auf energieintensive Produktionsschritte oder deren Verlagerung ins Ausland, das „carbon leakage“, keine Lösungen sein dürfen. Wenn in anderen Ländern die Energie eingesetzt wird, die in Deutschland eingespart werden muss, ist das ein Nullsummenspiel, das dem Klima nichts nützt, aber dem Herz unserer Wirtschaft, der Industrie, schadet. Wir sehen doch gerade in der Finanzkrise, wie wichtig die Industrie, das produzierende Gewerbe, zur Stabilisierung der Volkswirtschaft ist.

Deutschland mit seiner hochgradig vernetzten Industriestruktur ist wie kein anderes Land vom Emissionshandel betroffen. Wir haben in Europa den höchsten Industrieanteil an der Bruttowertschöpfung: über 25 Prozent. In Italien liegt er bei 20 Prozent, in Großbritannien bei 17 und in Frankreich sogar nur bei 14 Prozent. Für diese Länder sind die Belastungen deswegen bei Weitem nicht so hoch. Gleichzeitig verzeichnet Deutschland den höchsten Anteil an der EU-Grundstoffproduktion. Unternehmen, bei denen der Energiebedarf einen hohen Anteil an ihren Gesamtkosten ausmacht und die einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind, werden ihre Produktion aus Deutschland verlagern. Wer mit zusätzlichen Belastungen eingreift, ohne gleichzeitig Effizienzsteigerungen zu fördern, muss wissen, dass er eine Lokomotive verlangsamt, die ganz Europa zieht.

Der verstärkte Einsatz energieeffizienter Produkte, Systeme und Lösungen würde nicht nur zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes beitragen, sondern auch umfassende Investitionen anstoßen und nachhaltig die Betriebskosten senken. Ein nicht zuletzt in Zeiten einer wirtschaftlich schwierigen Lage wichtiger Punkt zur Steigerung der Investitionsrate.

Mit der Klimaschutzkonferenz im Dezember in Kopenhagen werden weltweit die wichtigen Weichen für den Klimaschutz gestellt. Gleichzeitig werden die damit für alle betroffenen Akteure verbundenen Kosten definiert. Nicht nur vor dem Hintergrund der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise muss die Kosteneffizienz von Klimaschutzmaßnahmen eine zentrale Rolle in allen Diskussionen spielen.

Schon traditionell leistet Deutschland und vor allem die deutsche Industrie den größten Beitrag zur Verringerung der Treibhausgase. So konnte der CO2-Ausstoß seit 1990 um 17 Prozent zurückgefahren werden – von 1.232 Millionen Tonnen CO2 im Bezugsjahr 1990 auf 1.025 Millionen Tonnen CO2 im Jahr 2004. Dies konnte nur deshalb gelingen, weil die Industrie in Deutschland im technologischen Bereich sehr weit vorne ist.

Für Kopenhagen muss klar sein: Klimapolitik kann nicht nur lokal stattfinden. Deutschland hat nur einen Anteil von drei Prozent an den weltweiten Klimaemissionen. Statt nur nach innen zu schauen und die deutsche Industrie weiter zu belasten, müssen wir dafür sorgen, dass unsere deutsche Hightech-Effizienztechnologie weltweit eingesetzt wird. Dort liegen Einsparpotenziale, die um ein Vielfaches größer sind als die Gesamtemissionen von Deutschland! Und es muss noch einmal wiederholt werden: Es handelt sich allesamt um Technologien, deren im Vergleich zu Standardprodukten höhere Investitionskosten sich beim Anwender durch weitaus geringere Energie- und Betriebskosten schnell bezahlt machen!

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EnQ Magazin 02/2009

Elektroindustrie unterstützt neue EU-Verordnung zu energiesparenden Elektromotoren und intelligenten Antrieben

Kategorie: 2009

Frankfurt am Main, 19. August 2009 – Durch den intelligenten Einsatz elektrischer Antriebstechnik lassen sich in Industrie, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen enorme Energieeinsparungen erzielen. Würden alle in Deutschland installierten Antriebe mit Energie­sparmotoren und dort wo sinnvoll mit elektronischen Antriebsregelungen ausgerüstet, ergäbe sich eine Stromeinsparung von 38 TWh (38 Milliarden Kilowattstunden) pro Jahr, bekräftigt der ZVEI anlässlich der Verabschiedung der neuen EUP-Verordnung durch das Europäische Parlament. Das entspricht etwa zehn Prozent des Stromverbrauchs oder der Stromerzeugung von 16 Kraftwerksblöcken der 400 Megawatt­klasse. Die jährliche Stromrechnung würde bei zehn Cent je KWh um 3,8 Milliarden Euro verringert.

Die Belastung der Umwelt würde nach aktuellem Kraftwerksmix um jährlich 23 Millionen Tonnen CO2 vermindert. Auf Europa hochgerechnet schätzt die Europäische Kommission das Einsparpotenzial auf 135 TWh. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, hat die Kommission im Rahmen der EUP-Richtlinie die Verordnung über energieeffiziente Drehstrom-Normmotoren und elektrische Antriebe erlassen. “Die deutschen und europäischen Motoren- und Antriebshersteller begrüßen diese Entscheidung. Sie gibt sowohl den Herstellern als auch den Anwendern Planungssicherheit” sagt Günter Baumüller, Vorsitzender des Fach­bereichs Elektrische Antriebe im ZVEI. Weltweit sei die neue Verordnung wegweisend, da sie erstmals auch intelligente Antriebssysteme, das heißt Elektromotoren mit elektronischer Drehzahlregelung, einschließe.

Die neue Regelung sieht vor, dass ab 16. Juni 2011 in Europa Drehstrom- Normmotoren der Größen 0,75 bis 375 KW nur noch in Verkehr gebracht werden dürfen, wenn sie mindestens der international genormten Energieeffizienzklasse IE2 entsprechen. Solche Norm­motoren treiben u.a. Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren, Aufzüge, Rolltreppen und Transportbänder an. Wenn alle Antriebssysteme in Deutschland mit Energiesparmotoren der neuen Generation ausgerüstet wären, würde das zu einer Energieeinsparung von rund 14 TWh führen.

Antriebssysteme mit elektronischer Drehzahlregelung werden von der neuen Verordnung ab Januar 2015 adressiert. Ab diesem Datum verkaufte IE2 Motoren dürfen nur noch mit elektronischer Drehzahlregelung eingesetzt werden. Alternativ ist dann der Einsatz von Motoren möglich, die mindestens der Effizienzklasse IE3 entsprechen. Diese sind heute noch nicht in der Breite verfügbar. Technisch und wirtschaftlich wäre es nach ZVEI-Untersuchungen sinnvoll, mindestens jeden zweiten Motor mit elektronischer Drehzahlregelung auszustatten. Das würde zu einer weiteren Energieeinsparung von 24 TWh führen.

Allein in Deutschland laufen heute etwa 35 Millionen alte Drehstrom­motoren. Auch wenn sich die Anschaffungskosten je nach Anwendung in weniger als einem bis zu einigen Jahren durch die eingesparten Stromkosten rechnen, liegt die derzeitige Modernisierungs- bzw. Austauschrate bei drei bis vier Prozent pro Jahr. Es würden also über 20 Jahre vergehen, bis der Altbestand durch energiesparende neue Techniken ersetzt worden ist. Bereits heute werden Energiespar­beratungen für KMU über die KfW gefördert. “Die umweltpolitisch gewollte Beschleunigung der Modernisierung des riesigen Altbestandes erfordert aber eine stärkere politische Flankierung”, fordert Baumüller.

Ansprechpartner für die Presse: F. Rainer Bechtold, Fon 069 6302-255

Elektroindustrie unterstützt neue EU-Verordnung zu energiesparenden Elektromotoren und intelligenten Antrieben

ACHEMA 2009

Kategorie: 2009

Frankfurt am Main, 11. Mai 2009
Der Einsatz moderner Prozessautomatisierung kann den Prozessindustrien in Deutschland helfen, zusätzlich vier Milliarden Euro jährlich an Energiekosten in ihren Produktionsanlagen einzusparen. In den Anlagen der deutschen Prozessindustrien, wie zum Beispiel der Chemieindustrie, liegt ein durchschnittliches Energie-Einsparpotenzial von zehn bis 15 Prozent. Bei einzelnen Anwendungen können es bis zu 70 Prozent sein. Insgesamt kann die Prozessautomation helfen, in Deutschland circa 50 Milliarden Kilowattstunden Strom und Primärenergie einzusparen, entsprechend mindestens 20 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr. Das sind elf Prozent der CO2-Emissionen des industriellen Sektors. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung, die auf der Achema 2009 vorgestellt wird.

ACHEMA 2009

Zukunftstechnologien der Energieeffizienz auf der Hannover Messe 2009

Kategorie: Ausgabe 2009-01

Sonderschau in Halle 26

Hannover Messe 09

Betriebswirtschaftlich gesehen ist Energieeffizienz die optimale Nutzenausbeute bei geringstmöglichem Energieeinsatz. Doch diese einfache Formel gilt spätestens seit der sich abzeichnenden Klimaveränderung nicht mehr – Energieeffizienz ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden. Unternehmen stehen dabei genauso in der Verantwortung wie private Haushalte oder die Politik. Dennoch bleibt die technologische Komponente der Kern jeglicher Veränderung. Wer wissen will, welche Innovationen im Bereich der Energieeffizienz in den nächsten Monaten und Jahren unser Leben verändern, findet auf der Hannover Messe 2009 die richtigen Lösungsansätze. Die Sonderschau „Energieeffizienz in industriellen Prozessen“ unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gibt einen guten Überblick über die wichtigsten Potenziale der Energieoptimierung. Angefangen bei praxisnahen Referenzmodellen aus verschiedenen Branchen und Technologiebereichen bis hin zu Live-Vorführungen energie-intelligenter Lösungen – in Halle 26 erleben die Besucher die verschiedensten Ansätze für konkrete Effizienzmodelle. Zu den Ausstellern zählen dabei Unternehmen aus den Bereichen Automation, Antriebstechnik und Maschinenbau. Gerade bei Standardanwendungen in den betrieblichen Nebenfunktionen wie Pumpen, Lüften, Verdichten, Fördern, Bewegen, Klimatisieren und Kühlen finden sich erhebliche Optimierungspotenziale. Allein der Austausch veralteter Antriebssysteme würde jährlich 27,5 Milliarden Kilowattstunden Strom einsparen. Das entspricht umgerechnet elf Prozent des gesamten industriellen Stromverbrauchs beziehungsweise 2,2 Milliarden Euro an Energiekosten. Dass entsprechende Lösungen dabei keineswegs aufwendig oder kostenintensiv sein müssen, zeigen bereits einfache Beispiele.

Neue Impulse für den Herzschlag der Industrie

Ohne Pumpen läuft in der Industrie, im Haushalt oder im Verkehr fast nichts. Beim Fördern von Wasser, Heizöl, Treibstoff oder Abwasser verschwenden ineffiziente Pumpen jedoch nach wie vor viel Energie, so dass Pumpen mit zu den größten industriellen Stromverbrauchern gezählt werden müssen. Bei der Betrachtung der Energiebilanz eines Pumpensystems stehen neben den Pumpen eine Reihe von Komponenten auf dem Prüfstand, die ihren Anteil am Energieverbrauch des Systems haben. Erste Anhaltspunkte gibt die Kontrolle des Zustands des Pumpensystems. Läuft das System ordnungsgemäß? Laufen alternierende Pumpen gleich lang? Starten sie häufiger als üblich? Liegen die Betriebszeiten in Regen- und Tauwetterperioden im Bereich des Erwarteten?

Reif für einen neuen Schrittmacher

Um die Energie effizient einzusetzen, ist eine genauere Betrachtung der Betriebsbedingungen unerlässlich, und Punkte wie Belastung, Gegendruck, Pumpen sowie Betriebsbedingungen zum Beispiel im Abwasserbereich sind abzuklären. Je mehr Wasser gepumpt werden muss, desto größer ist die Belastung der Pumpenstation. Sie lässt sich nur durch Minimierung von Fremdwasser und Änderung des Einzugsgebiets verringern. Der Gegendruck ist eine Größe, die sich u. a. durch regelmäßige Wartung positiv beeinflussen lässt. Er ergibt sich aus dem geodätischen Gegendruck (Förderhöhe) und dem dynamischen Gegendruck (Reibung). Die Förderhöhe kann man als unveränderliche Gegebenheit einstufen, auf die Reibung in dem Leitungssystem haben die Betreiber allerdings Einfluss. Je schneller das Abwasser durch die Rohre gepresst wird, desto größer sind der Gegendruck und der Energiebedarf. Desgleichen gilt: je größer der Leitungsdurchmesser, desto kleiner der Gegendruck.

Auf den Rhythmus kommt es an

Die Leistung der Pumpen wurde in den meisten Fällen bei der Planung des Pumpensystems festgelegt. Oft laufen nach einiger Zeit die Planungs- und die tatsächlichen Daten aber deutlich auseinander. Beispielhaft zeigt das eine Langzeitstudie, die ermittelt hat, dass an weniger als neun von zehn Tagen nur die halbe Pumpenkapazität benötigt wird. Anders gesagt, die volle Pumpenleistung wird lediglich an Tagen mit großem Zufluss benötigt. Um einen energiesparenden Betrieb der Pumpen zu gewährleisten, ist also die richtige Auslegung entscheidend. Wenn die Pumpen zu groß sind, laufen sie unnötig oft an und verbrauchen dabei viel Energie. Durch eine Regelung lassen sich die Fließgeschwindigkeit und damit der dynamische Gegendruck sowie die Anzahl der Starts reduzieren. In der Praxis findet man drei Varianten der Drehzahlregelung: über Polumschaltung, über Getriebe und über Frequenzumrichter. Die günstigste ist zumeist die Frequenzregelung. Damit lassen sich erhebliche Einsparungen durch reduzierten Energie- und Wartungsbedarf erzielen. Positiver Nebeneffekt: Der Frequenzumrichter senkt durch viele integrierte Funktionen und Baugruppen die Investitionskosten für zusätzliche externe Komponenten wie beispielsweise Netzdrosseln und verbessert den Anlagenschutz.

Jeder Pumpenstart kostet Geld

Im Schnitt benötigen Pumpensysteme fünf bis zehn Prozent der Energie für den Start, in ungünstig ausgelegten Anlagen kann der Energiebedarf für Starts bis zu 40 Prozent betragen. Durch neue Frequenzumrichter lässt sich die hier benötigte Energie stark verringern, da sie den Durchfluss in weiten Bereichen an den Bedarf anpassen können und nicht über Ein- und Ausschalten der Pumpe steuern müssen. Zudem erlaubt der sanfte Anlauf und die schnelle Beschleunigung auf die Mindestdrehzahl der Pumpe bei Start- und Stopp-Vorgängen einen schonenden Betrieb.

Kosten reduzieren mit Frequenzregelungen

Die Installation von Frequenzumrichtern führt in der Regel zu deutlichen Energieeinsparungen. Aber eine Investition in diesem Bereich muss – wie überall – in einem vernünftigen Verhältnis zur Einsparung stehen. Für Experten wie Danfoss liegt die Wirtschaftlichkeitsgrenze bei Pumpenstationen bei einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden. Über den Energieeinsparaspekt hinaus gibt es noch eine Reihe gewichtiger Gründe, über den Einbau von Frequenzregelungen nachzudenken. Denn wenn die Drehzahl sinkt, laufen die Pumpen langsamer und die für die Pumpen belastenden Starts und Stopps verringern sich. Zudem ermöglichen Frequenzumrichter einen sanften Pumpenanlauf und schädliche Druckstöße treten nicht auf. Durch einen kontinuierlicheren Zulauf können sich die Prozesssteuerungen vereinfachen. Frequenzumrichter erlauben einen übersynchronen Betrieb und schaffen dadurch kurzfristige Leistungssteigerungen. Um die möglichen Energieeinsparungen zu realisieren, ist die Wahl der richtigen Frequenzumrichter und Antriebe entscheidend. Pro Pumpe sollte ein Frequenzumrichter installiert werden, so dass nicht alle Pumpen von der gleichen Regeleinheit angetrieben werden. Dies erhöht zusätzlich auch die Betriebssicherheit. Bei der Auswahl reicht es nicht, lediglich nach Nennleistung und Nennstrom zu schauen. Für einen störungsfreien Betrieb mit langen Standzeiten ist es darüber hinaus entscheidend, dass das erreichbare Startmoment des Umrichters in allen Betriebssituationen größer ist als das Startmoment des Pumpenmotors.

Antriebslösungen für mehr Energieeffizienz

Um sich darüber klar zu werden, wie sich im Bereich der Antriebstechnik Potenziale zum Energiesparen identifizieren und nutzen lassen, hilft ein Blick auf die generelle Funktion der Antriebe in industriellen Anwendungen: Zwar sind Antriebe die größten Umsetzer elektrischer Energie, doch sind sie keine Verbraucher im engeren Sinne – sie wandeln lediglich die elektrische in mechanische Energie um. Diese kann dann für die unterschiedlichsten Produktions-, Materialtransport- und Infrastrukturprozesse genutzt werden. Entscheidend ist also letztlich, dass die Antriebe die benötigte mechanische Leistung zur Verfügung stellen. Das lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen: Erreicht ein Antriebssystem einen Wirkungsgrad von 75 Prozent, dann müssen – bezogen auf die erforderliche mechanische Leistung – 133 Prozent elektrische Leistung zur Verfügung gestellt werden. Bei einer Verschlechterung des Wirkungsgrads auf 50 Prozent sind sogar 200 Prozent elektrische Leistung erforderlich. Gleichzeitig verdreifachen sich die Verluste. Ob Energie effizient eingesetzt wird, lässt sich also daran messen, wie weit oberhalb der benötigten mechanischen Energie für den gesamten Arbeitsbereich elektrischer Antriebssysteme die aufgebrachte elektrische Energie liegt.

Viel hilft viel?

Heute ist es noch gängige Praxis, Antriebe überzudimensionieren. Oft steht dahinter schlicht die Angst, Komponenten vielleicht doch zu klein ausgewählt zu haben. Für die Energieeffizienz der Anlage hat das gravierende Folgen: Im Teillastbereich arbeiten nämlich fast alle Antriebskomponenten mit einem schlechteren Wirkungsgrad – für den mechanischen Prozess muss also mehr elektrische Energie und damit auch mehr Verlustleistung aufgebracht werden. Nur durch eine exakte Analyse und Auslegung des Antriebs lässt sich das verhindern. In vielen Prozessen ist die erforderliche mechanische Leistung variabel. In solchen Situationen lässt sich die Energieeffizienz durch den Einsatz von Umrichtern zur Drehzahlsteuerung von Motoren steigern: Ein gesteuerter Antrieb kann sowohl die Drehzahl als auch das Drehmoment so verändern, dass genau die Leistung in den mechanischen Prozess geleitet wird, die dieser momentan benötigt. Da bei fast allen mechanischen Prozessen der Leistungsbedarf von vielen Parametern abhängt, also nicht konstant ist, lohnt sich letztlich bei fast jedem Antrieb aus funktionalen und energetischen Gründen der Einsatz eines Umrichters.

Wirkungsgrad gezielt verbessern

Nach der Auswahl eines optimal zur Anwendung passenden Antriebs ist der Wirkungsgrad bei der Umwandlung der elektrischen Energie zu betrachten. Dabei müssen die Komponenten des Antriebsstrangs einzeln betrachtet werden. Beim Umrichter hängt der Wirkungsgrad im Wesentlichen von den Bauteilen der Leistungselektronik ab. Die hier fast ausschließlich verwendeten IGBTs haben sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verbessert, so dass sich der Wirkungsgrad der Umrichter von aktuell 94 bis 98 Prozent mit einfachen technischen Maßnahmen nicht weiter steigern lässt. Ein hohes Potenzial haben dagegen Elektromotoren. Der Standard-Drehstrommotor in Asynchrontechnik kann so gestaltet werden, dass sein Wirkungsgrad steigt. Unter allen geregelten Antrieben wiederum ist der Synchronmotor eine gute Alternative zum Asynchronmotor, weil er bei gleichem Drehmoment weniger Strom benötigt und damit natürlich auch weniger Verluste erzeugt. Und schließlich hat auch die Wahl des Getriebes Einfluss auf den Wirkungsgrad: Die Verzahnungen von Stirnrad- und Kegelradgetrieben zum Beispiel erreichen einen hohen Wirkungsgrad. Entscheidend ist dabei die Anzahl der Übersetzungsstufen. Es empfehlen sich Getriebe, die in einem großen Einsatzbereich mit zwei Übersetzungen auskommen. Schneckengetriebe dagegen haben schlechte Wirkungsgrade.

Bremsenergie nutzen

Der Blick darauf, für welche Prozesse in elektrischen Antriebsanwendungen Energie eingesetzt wird, zeigt noch einen dritten wichtigen Bereich zur Erhöhung der Energieeffizienz: Energie wird zu einem großen Prozentsatz nicht zur Veränderung von Werkstücken, sondern für das Beschleunigen und Heben von Materialien verwendet. Gerade bei Massenfertigungen, bei denen eine große Anzahl von Produkten hergestellt wird, gibt es vielfältige dynamische Positionier- und Hebevorgänge. Sie beschleunigen mit hohen Taktraten Materialien, entnehmen dabei dem elektrischen Netz kontinuierlich Energie und bremsen oder senken sie dann wieder ab. Auf diese Weise wird durch den generatorischen Effekt wieder Energie freigesetzt. Sie wird aber in den allermeisten Fällen nicht weiter genutzt, sondern über einen Bremswiderstand als Wärme „verheizt“. Gerade bei hohen Wiederholraten ist hier das Maß ineffizient eingesetzter Energie beachtlich. Bei hochgetakteten Anwendungen bieten sich deshalb als Alternative zum Bremstransistor Rückspeiseeinheiten an. Auch der Energieaustausch zwischen Umrichtern bietet interessante Möglichkeiten, Bremsenergie für den Prozess zu nutzen. In einigen Anwendungsfällen lässt sich außerdem die rückgespeiste Energie für den nächsten Beschleunigungsvorgang zwischenspeichern. Im Vergleich zur reinen Umsetzung in Wärme lässt sich also auf verschiedenen Wegen die Energieeffizienz deutlich erhöhen. Um dieses Potenzial zu erschließen, müssen bei der Konstruktion der Anlagen die Prozesse identifiziert werden, bei denen ein nennenswertes Maß an Bremsenergie anfällt. Zusammengefasst lässt sich durch eine genaue Analyse von Antriebsanwendungen der Energieverbrauch industrieller Prozesse deutlich senken. Hersteller wie die Lenze AG betonen, dass sich bei Einbezug des gesamten Werkzeugkastens der elektrischen Antriebstechnik wesentlich größere Energiesparpotenziale erschließen lassen, als durch die bloße Konzentration auf Energiesparmotoren.

Hannover Messe vereinigt technologische Leistungsfähigkeit einer ganzen Industrie

Ähnliche Potenziale wie bei den hier angeführten Beispielen des Pumpens und Förderns liegen auch in vielen anderen Bereichen industrieller Prozesse. Etwa beim Lüften, Verdichten und Klimatisieren. Sie alle können zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen und damit nicht nur den CO2-Ausstoß reduzieren, sondern auch zu einer nachhaltigen Senkung der Betriebskosten führen. So lassen sich beispielsweise durch intelligente Konzepte bei den Lüftungsanlagen Energieeinsparungen von 30 Prozent und mehr erzielen. Effiziente Steuerungs- und Überwachungstechnik zur Vermeidung von Leckagen bei der Druckluftnutzung können die anfallenden Kosten ebenfalls um rund ein Drittel reduzieren. Und auch bei der Prozesswärme und Prozesskälte lohnt es sich, über Energieeinsparpotenziale nachzudenken. Hocheffizienzmotoren, drehzahlgeregelte Kompressoren, Solaranlagen, Wärmerückgewinnung und Pumpen auf dem neuesten Stand der Technik ermöglichen Einsparpotenziale von bis zu 50 Prozent bei kurzfristigen Amortisationszeiten. All diese Anregungen und Lösungen sind in diesem Jahr wieder auf der Hannover Messe zu finden. Außer auf die Sonderschau „Energieeffizienz in industriellen Prozessen“ richten auch viele Aussteller ihren Fokus auf die Optimierung des Energieverbrauchs. Ein eigener Shuttle-Service wird die Sonderschau deswegen an die einzelnen Leitmessen anbinden. So werden Besucher direkt zu den Ausstellern, die sich auf das Schwerpunktthema Energieeffizienz konzentrieren, gebracht. Die Industrie setzt damit auf der Hannover Messe auch im schwierigen Wirtschaftsumfeld des Jahres 2009 neue technologische Standards. Sie müssen aber nicht nur von den produzierenden Unternehmen, sondern in vielen Fällen auch von den Verbrauchern und vor allem von der Politik aufgegriffen und gefördert werden.

Hannover Messe 2009


Autoren:

Andreas Schreitmüller, Danfoss GmbH

Dr. Edwin Kiel, Lenze AG

Marc de Bruyn Ouboter, EnQ-Magazin

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EnQ Magazin 01/2009

Moderne Prozessautomatisierung spart durchschnittlich zehn bis 15 Prozent Energie

Kategorie: 2009

Frankfurt am Main, 21. April 2009
In den Produktionsanlagen der Prozessindustrien liegt ein durchschnittliches Energie-Einsparpotenzial von zehn bis 15 Prozent. Bei einzelnen Anwendungen können es bis zu 70 Prozent sein. Insgesamt kann die Prozessautomation helfen, in Deutschland circa 50 Mrd. Kilowattstunden Strom und Primärenergie einzusparen, entsprechend mindestens 20 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr. Damit kann sie einen Beitrag von 17 Prozent zu dem CO2-Restminderungssziel für Deutschland leisten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung.

Prozessautomatisierung spart Energie

Neue Weltnorm für Energiesparmotoren – effiziente Antriebe bremsen Energiekosten

Kategorie: 2009

Frankfurt am Main, 21. April 2009
Auf der Hannover Messe 2009 stellen die deutschen Hersteller erstmals ihr Elektromotorenprogramm nach der neuen, international harmonisierten Wirkungsgradnorm IEC
60034-30 vor. Diese Norm wurde unter deutscher Federführung im International Electrotechnical Committee IEC erstellt und gerade veröffentlicht. Hintergrund war die weltweite Harmonisierung von Energiesparmotoren, um den freien Warenverkehr zu gewährleisten und den Wildwuchs an nationalen Bestimmungen zu bremsen. Der ZVEI -
Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. hat die Norm initiiert und dabei die Sprecherfunktion der europäischen Motorenhersteller übernommen und deren Interessen gebündelt. Die Drehstrommotoren werden künftig weltweit in drei Klassen unterteilt. IE 1 steht für Standardwirkungsgrad, IE 2 für gehobenen Wirkungsgrad
und IE 3 für Premiumwirkungsgrad. Mit dem Wirkungsgrad wird die Effizienz von Elektromotoren bei der Umwandlung von elektrischer in mechanische Energie beschrieben.

Neue Weltnorm für Energiesparmotoren

ZVEI: Elektroindustrie ist Energieeffizienz-Industrie

Kategorie: 2009

13. März 2009

„Die Elektroindustrie ist eine Zukunftsindustrie, weil sie mithilft, Lösungen für zukünftige Herausforderungen zu entwickeln“, lobte Christa Thoben, Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW, die Branche anlässlich der Mitgliederversammlung der ZVEI-Landesstelle NRW. „Ohne die technologischen Fähigkeiten der Elektroindustrie wird es keine effektive Klimaschutzpolitik geben“, so Thoben weiter – ein Lob, das der Vorsitzende des Landesstellen-Vorstands Till Fastabend gerne
annahm. „Alleine mit den bereits heute verfügbaren technologischen Lösungen sind z. B. im Bereich der Beleuchtung jährlich mindestens 13 Mio. t CO2 einzusparen. Dies ist nur ein Beispiel für den Beitrag unserer Branche, um die von der Politik gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen“, erläuterte Fastabend.

Elektroindustrie ist Energieeffizienz-Industrie