Innovative Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik auf der IFA

Sie haben schon so mancherlei großartige Einrichtungen erfunden, während wir uns im Haushalt noch sehr plagen müssen. Wenn Sie schon am Erfinden sind, dann erfinden Sie doch bitte gleich, dass auch im Haushalt alles elektrisch gemacht werden kann“, so eine Berliner Köchin 1882 an Werner von Siemens. Ihre über 125 Jahre alte Bitte erinnert daran, dass elektrische Haushaltsgeräte ursprünglich nicht dafür konzipiert waren, Strom zu sparen – im Gegenteil. Staubsauger, Elektroherde, Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Kühlschränke sollten nichts anderes tun, als körperliche durch elektrische „Kraft“ zu ersetzen. Heute gilt dies in dieser Einfachheit nicht mehr. Haushaltsgeräte haben zwar nach wie vor ihren „Dienst zu versehen“, aber nicht mehr um jeden Preis – oder besser gesagt: zu jedem Preis. Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten und wachsender Umweltbelastungen spielt ihr Energieverbrauch bzw. ihre Energieeffizienz eine zunehmend wichtige Rolle. Dies liegt vor allem daran, dass sie gemeinsam mit Fernseher, DVD-Player und Co. einen wesentlichen Anteil unseres privaten Energiekonsums ausmachen und gleichzeitig einen der wenigen Hebel darstellen, mit dem jeder durch gezielte Investitionen in intelligente Lösungen seine Energiekosten und Umweltbelastungen nachhaltig reduzieren kann.
Was als Erstes fehlt, ist Aufklärung
Heute stehen in deutschen Haushalten 29 Millionen Kühl- und Gefriergeräte, die älter als zehn Jahre sind. Sie verbrauchen bis zu viermal so viel Energie wie ein vergleichbares neues Gerät – und zwar rund um die Uhr. Um hier wie bei anderen Elektro-Großgeräten zu schnellen Veränderungen zu kommen, muss vor allem die Komplexität des Themas Energieeffizienz reduziert werden. Denn bisher besitzt der Konsument oftmals kein klares Verständnis für den Wert einer Kilowattstunde oder der Bedeutung einer Tonne CO2. Während er an der Tankstelle Preisveränderungen direkt mitbekommt, fehlt ihm dieses „Gefühl“ beim Stromverbrauch fast völlig. Ein zentrales Manko, denn die langjährige Erfahrung zeigt: Moralische Appelle alleine erreichen nur einen Bruchteil der Verbraucher. Die wenigsten Konsumenten – sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern – sind zu Investitionen nur aus Umweltschutzgründen bereit. In der Regel sind handfeste monetäre Vorteile notwendig, um Verhaltensänderungen zu erzeugen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass sich für den einzelnen Haushalt häufig der höhere Preis für hocheffiziente Geräte erst nach vielen Jahren rechnet. Abhilfe können umfassende Aufklärungsangebote durch die Hersteller und den Handel schaffen. Natürlich bietet die IFA eine gute Plattform für den Verbraucher, sich einen entsprechenden Überblick zu verschaffen. Darüber hinaus müssen staatliche Förderprogramme konkrete Anreize bieten. Beispiele aus Japan, Spanien, Italien oder den USA zeigen bereits, dass ein solcher Weg sich ökologisch und volkswirtschaftlich sehr gut rechnet.

15 Jahre bedeuten auch bei Haushaltsgeräten oftmals lebenslänglich
Die rein technischen Voraussetzungen zur Reduzierung des Energieverbrauches sind längst vorhanden und verbessern sich mit jeder neuen Gerätegeneration. Machten sich früher vor allem Geräte mit Warmwasserbereitung, also Geschirrspüler und Waschmaschinen, sowie Geräte, die – wie Kühl- und Gefrierschränke – rund um die Uhr im Einsatz sind, massiv auf der Stromrechnung bemerkbar, so sind in den letzten 15 Jahren – der durchschnittlichen Einsatzzeit von Elektro-Großgeräten – die Verbrauchswerte für Strom und Wasser deutlich reduziert worden.
Neueste Kühl-Gefrier-Kombinationen führender Hersteller wie Siemens brauchen beispielsweise in der besten Energieeffizienzklasse A++ bis zu 66 Prozent weniger Strom als vergleichbare 15 Jahre alte Geräte. Bei Waschmaschinen beträgt die Einsparung bis zu 42 Prozent, bei Geschirrspülern sind es bis zu 35 Prozent. Realisiert werden solche Potenziale im Fall der Geschirrspüler beispielsweise durch den intelligenten Einsatz von Mineralien wie dem von Neff, Bosch und Siemens verwendeten Zeolith®. Es entzieht der Luft im Spülerinnenraum Feuchtigkeit und wandelt diese in trockene Wärme um. Diese wird anschließend in den Innenraum zurückgeführt und zur Trocknung des Geschirrs verwendet. Das wartungsfreie Zeolith®- Granulat ist in einem Behälter im Geräteboden eingebettet und regeneriert sich in der Reinigungsphase bei jedem Spülgang selbstständig. Weitere Einsparungen erzielen die ebenfalls von diesen Herstellern verwendeten Sensortechnologien. Sie passen den Wasserverbrauch dem Verschmutzungsgrad an und garantieren dadurch, dass die exakt notwendige Menge Wasser verwendet wird.

In den modernen Kältegeräten sind es neben der verbesserten Isolation leistungsfähigere Kompressoren und gezielte Optimierungen der Kältekreislaufkomponenten, die einen entscheidenden Vorteil bringen. Innovationen wie die NoFrost- Technologie wirken außerdem in den modernen Kältegeräten der Bildung von Eiskristallen entgegen und verhindern auf diese Weise schleichende Energieverluste. Bei Wäschetrocknern ist es eine innovative Wärmepumpen-Technologie, die die Geräte um bis zu 40 Prozent sparsamer werden lässt. Als weitere effizienzsteigernde Entwicklung ist der von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH konzipierte SelfCleaning Condenser anzusehen. Bei jedem Trocknungsvorgang lagern sich etwa 20 Prozent der Wäscheflusen im Kondensator des Wäschetrockners ab, was zu einem erhöhten Energieverbrauch und längeren Trocknungszeiten führt. Mit dieser Innovation wird der Kondensator bis zu viermal während des Trocknungsvorgangs vollautomatisch gereinigt und kann damit ohne höheren Energieaufwand arbeiten.
Energieeffizienz längst auch im Wohnzimmer zu Hause
Für die Hersteller der Unterhaltungselektronik ist Energieeffizienz ebenfalls ein wichtiges Thema. Neben den technologischen Produktinnovationen können sich die Besucher der diesjährigen IFA (4. bis 9. September) auf zahlreichen Messeständen auch über die neuesten energie-intelligenten Entwicklungen bei Blu-ray-Playern, Set-Top-Boxen und Fernsehern informieren.
Grundsätzlich ist, ähnlich wie bei Haushaltsgeräten, auch bei der Unterhaltungselektronik das Phänomen festzustellen, dass der Energieverbrauch pro Gerät sinkt, obwohl der Stromverbrauch in der Summe steigt. Die Ursache ist hier ebenfalls ganz einfach: Mehr Haushalte, mehr Geräte, mehr Vielfalt. Vorbei sind die Zeiten, als in den Wohnzimmern neben dem Radio oder dem Schallplattenspieler lediglich ein Fernseher stand. Heute sind auch die Kinder- oder Arbeitszimmer mit eigenen Fernsehern, DVD-Playern, Spielekonsolen oder PC ausgestattet – und viele laufen den ganzen Tag. Noch vor wenigen Jahren war das einzige Gerät im Haushalt, das ständig Strom benötigte, der Kühlschrank. Fernseher und die Stereoanlage verfügten über einen Knopf, der das Gerät tatsächlich komplett ausschaltete. Mit dem Siegeszug des Videorekorders und des PCs hat sich dies verändert. Die Hersteller sind aus diesem Grund dazu übergegangen, den Energieverbrauch im Standby-Modus zu reduzieren. Mit Erfolg. Bei Fernsehern liegt er nur noch bei durchschnittlich 0,5 Watt, Spitzengeräte erreichen sogar 0,3 bis 0,1 Watt. Werte, die sich kaum noch signifikant verringern lassen.
Wesentlich mehr Potenzial, um bei dem Beispiel Fernseher zu bleiben, bieten die auf der IFA präsentierten Entwicklungen im On-mode-Bereich. Die LED-Hinterleuchtung von LCD-Bildschirmen, zur IFA 2008 noch als Zukunftsthema gehandelt, etabliert sich nun mit einer Vielzahl neuer Modelle bei den unterschiedlichsten Herstellern. Die einzelnen LED-Lichtzellen lassen sich so ansteuern, dass sie den Helligkeitsvorgaben des Bildinhalts entsprechen. Für dunkle Bildpartien werden die LEDs dabei heruntergedimmt bzw. ganz ausgeschaltet. Auf diese Weise werden nicht nur wesentlich höhere Kontraste erzielt, die Fernseher sparen zugleich auch deutlich Energie.
Der Trend, das zeigt auch die diesjährige IFA, geht hin zur Integration von Funktionen. Das heißt, weg von der Vielzahl von Einzelkomponenten (DVD/Blu-ray, Festplatte, Receiver), deren Funktionen nun in das TV-Gerät integriert werden. Dies reduziert den Energieverbrauch insgesamt, ebenso wie den Materialaufwand für Gehäuse, Netzteile etc. Weiterer positiver Effekt: Kabelfrei und mit nur einer Fernbedienung wird gleichzeitig der Komfort für den Verbraucher gesteigert.
Energie-intelligente Kaufentscheidungen gefragt
Mit den hier beschriebenen Ansätzen haben die Aussteller der IFA neue Wege bei Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik beschritten. Grüne Wege sozusagen, die sich die Besucher auf der IFA genau anschauen sollten, denn sie als Konsumenten sind wesentlich für den Erfolg dieser Entwicklungen verantwortlich. Unsere engagierte Berliner Köchin vom Anfang wäre bestimmt interessiert.











